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Faktische und vermutete Gefährdungslagen wie Elektrosmog, nanoskalige Materialien und BSE haben einen weiten Raum von öffentlichen und (sub-) politischen Risikodebatten geöffnet. Sie lassen unübersichtliche Arenen aus Expertisen, Gegenexpertisen und medialen Darstellungen entstehen, die für alle gesellschaftlichen Akteure durch ihre Komplexität und Dynamik immer schwerer zugänglich werden. Mit dem forschungsleitenden Stichwort "systemische Risiken" wird vor allem auf die Dynamik und Wandlungsfähigkeit dieser Risiken aufmerksam gemacht, die einen veränderten institutionellen Umgang erforderlich machen. Eine solche, stärker integrative Risikobetrachtung soll im Rahmen des Projektes durch eine Kartierung von Risikodiskursen ermöglicht werden.
Angestrebt wird die Entwicklung eines Prototyps für die Darstellung von Risikokonflikten in Form von internetbasierten Argumentationslandkarten. Die Entwicklung des visualisierenden Verfahrens der Wissenserschließung und -kommunikation geschieht im Rahmen einer transdisziplinären Kooperation von Sozialwissenschaftlern, Informatikern und Praxispartnern. Die Argumentationslandkarten sollen eine neue Form des gesellschaftlichen Umgangs mit systemischen Risiken ermöglichen. Dazu werden zwei beispielhafte Risikofelder (Nahrungsergänzungsmittel, nanoskalige Materialien) mit den jeweils beteiligten Akteuren, Stoffen und Argumenten "kartiert" bzw. durch eine internetbasierte Verknüpfung von Zusammenhängen in Text und Bild rekonstruiert.
Die Wissensansprüche, Risikoverständnisse und standortbezogene Beurteilungen der unterschiedlichen, am jeweils betrachteten Risikokonflikt beteiligten Akteure sowie ihre dynamische und aufeinander bezogene Entwicklung werden mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Methoden der Diskursanalyse analysiert und beschrieben. Sodann wird ein Softwaretool für die verknüpfende Darstellung dieser "Daten" auf internetbasierten Oberflächen entwickelt. Liegen erste Versionen von Visualisierungsformen vor, die sowohl der Komplexität der Risikokonflikte als auch den Wünschen potentieller Nutzer gerecht werden können, wird in Stakeholderworkshops die Praxistauglichkeit solcher Kartierungen im Umgang mit strategischen Risiken optimiert.
Nanoskalige Materialien
Partikel mit nanoskaligem Durchmesser werden inzwischen in vielen Konsumprodukten und technischen Anwendungen genutzt. Aufgrund ihrer Kleinheit weisen sie oftmals neuartige Eigenschaften auf, die man sich zunutze macht. Aus den Erfahrungen im Umgang mit Asbest beispielweise ist bekannt, dass Stoffe, die in größeren Maßstab nicht toxisch wirken, in Form winziger Partikel gesundheitsschädigende Wirkung haben können. Vor diesem Hintergrund hat eine Debatte über die Risiken von Nanomaterialien begonnen, die vermutlich weiter anwachsen wird, je mehr Konsumprodukte mit Nanoskaligen Materialien aufgerüstet werden.
Nahrungsergänzungsmittel
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Eine wachsende, für VerbraucherInnen fast unüberschaubare Anzahl an Präparaten (z.B. Vitamine, Pflanzenextrakte) sind mittlerweile im Handel. Allerdings sind viele der ihnen zugeschriebenen positiven Wirkungen wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen. Eine Überdosierung kann mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Die bestehenden rechtlichen Regelungen sind bisher lückenhaft, eine Zulassungspflicht besteht nicht.